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#zf15 – Take The Third Pill

Alle Jahre wieder: Netzkongress. Da wird die Frage gestellt an Peter Sunde, Pirate Bay, ob er eine Antwort für uns hat, wie wir uns wehren können gegen NSA & Co, und er sagt Nein. Bäm. Da klingt die Vision von Thorsten Hübschen, Microsoft, nach einer schönen neuen Arbeitswelt fast ein bisschen wie ein Traum, von dem man nicht ganz weiß, ob er wahr werden kann. Und da erzählt Christian Schiffer, Herausgeber der WASD, etwas zur Lage der Natio– äh, der Gameskultur und erwähnt ein neues Spiel, bei dem er zur Entschleunigung eine Topfpflanze spielt, die wächst, in Echtzeit.

Die bekannte Kulisse des Münchner Volkstheaters lässt einen manchmal kurz innehalten. Sind wir nicht alle ein bisschen Matrix? Können wir uns überhaupt lösen von Hasskommentaren, dieser politischen Ohnmacht, dem alltäglichen Hamsterrad? Die rote oder die blaue Pille, das ist ein Scheideweg. Einer, bei dem man weiß, welchen Weg man einschlagen soll, der einem in diesem Fall schon Monate vorher wieder und wieder vor die Nase gehalten wurde: Take the red pill. Die rote ist die gute Pille, jedenfalls für Netzaktivisten und solche, die es werden wollen. Die rote Pille öffnet Augen und ist ungemein frustrierend, weil sie keine Lösung ist, sondern nur noch mehr Stolpersteine zeigt.

Aber wenigstens sieht man die Steine jetzt. Oder?

„This is your last chance. After this, there is no turning back. You take the blue pill—the story ends, you wake up in your bed and believe whatever you want to believe. You take the red pill—you stay in Wonderland, and I show you how deep the rabbit hole goes.“ (The Matrix, 1999)

Die blaue Pille darf man ja nicht nehmen, als guter Netzbürger, als politisch interessierter Digitalmensch. Die blaue Pille steht für Augen verschließen, zurück ins Traumland, die Wahrheit ausblenden, diese eine Wahrheit. Oder?

Die dritte Pille. Die dritte, die es eigentlich gar nicht gibt, jedenfalls nicht im filmischen Äquivalent der Matrix, das uns an den zwei Tagen Netzkongress begleitet hat. Neo hat nur schwarz oder weiß, Wahrheit oder Einbildung, rot oder blau. Aber es gibt sie eben doch.

„I want a third pill. […] [A] pill which would enable me to perceive not the reality behind the illusion, but reality in illusion itself.“ (Slavoj Žižek)

Das (Netz)Leben ist nicht schwarz und weiß. Es gibt so viele Grautöne, so viele, dass sich jede/r einen eigenen raussuchen kann. „‚I want a third pill‘. Žižek und das Internet. Gesprächsrunde„: Das war gar nicht mal der beeindruckendste Vortrag auf dem Netzkongress, im Gegenteil. Aber es ist gerade im Nachhinein ein wahnsinnig spannender Gedanke den Christina Dinar da aufmachen möchte. Das „Internet der Dritten Pille“, ein Raum zwischen „Fluch und Segen„, zwischen Inspiration und Hass. Ein Internet, an dem es all das gibt, leider, zum Glück, und in dem noch so viel mehr möglich ist, leider, zum Glück. Wie spannend auch, dass das Internet längst nicht mehr auf Computer oder Smartphones beschränkt ist, sondern sich mit dem Internet of Things tatsächlich überall befindet.

 

 

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