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Portraitworkshop mit Lars Wunderlich

Mitte Februar hatte ich die Gelegenheit, an einem Workshop der DINKEL Akademie teilzunehmen – ein wirklich spannender und hilfreicher Workshop zum Thema Portraitfotografie mit Lars Wunderlich.

Vorbereitet hatte ich mich nicht, weil ich gar nicht genau wusste, wie. Der Anruf des Dozenten ein paar Tage vorher hat meine Gedanken zum bevorstehenden Workshop dann aber angestoßen. Wie lange ich schon fotografiere (1,5 Jahre), was ich gerne fotografiere (Menschen, Momente, Bildgeschichten), was ich mir von dem Seminar erwarte (puh!), ob ich bestimmte Themen habe (Ja, schon! Öhm).

In der DINKEL Akademie erwartete mich am Samstag um 10 Uhr ein Raum voller hochmotivierter Mitfotografen (8) und -fotografinnen (1), ein charismatischer Dozent, eine Menge frischer Brez’n, Obst, Getränke und Kaffee. Und Kameras, mit einer ungewöhnlich klaren Tendenz zu Nikon (6x).

Los geht es mit der ausführlichen Vorstellungsrunde – sehr angenehm direkt im Du –, die beim Gedankensortieren noch einmal geholfen hat. Seinen eigenen Werdegang erzählt Lars anschließend ebenfalls kurz: Fotolehre, Zusage zum Fotodesign-Studium anstelle der Alternative BWL, Weg in die Selbstständigkeit und immer wieder die Theaterfotografie. Schön, dass sich mein Wunsch nach möglichst natürlichen, authentischen, ungestellt( aussehend)en Portraits auch bei Lars, und einem größeren Teil der anderen Teilnehmer wiederfindet.

Inzwischen weiß ich auch, was ich mir darüber hinaus von dem Workshop so erwarte:

  • eine entspannte Atmosphäre für natürliche Portraits schaffen,
  • Inspiration finden, eigene Visionen/Motive zu entwickeln und umzusetzen,
  • schöne Lichtsituationen erkennen und einfangen,
  • und auch ganz einfach mit einem geschulten Auge über der Schulter üben und konstruktive Kritik erhalten.

Hat’s geklappt? Ja, hat geklappt. Und wie!

 

„Ich erwarte, dass ihr nichts wisst, und alles, was ihr dazu lernt, ist gut!“ (Lars Wunderlich, Workshopleiter)

Weiter zur ersten praktischen Übung: Kamera schnappen, Partner suchen, raus in die sonnige Kälte. Dann: Ein Foto in genau einer Minute. 60 Sekunden. Inklusive Countdown, macht er gut, der Lars, schön Druck aufbauen. Zuerst ist Andreas mit Fotografieren an der Reihe. (Ganz klasse übrigens, dass ich als Portraitierte automatisch die Haltung einnehme, mit der ich hinter der Kamera so hadere: unsicher und leicht gezwungen in die Kamera grinsen..) Dann ich. Wenig überlegt, zu früh ausgelöst – immerhin, scharf ist es. Belichtung passt auch. Mein neues Objektiv (das Tamron 24-70 f2.8) macht sich ganz wunderbar. Allerdings habe ich nicht den vorteilhafteste Gesichtsausdruck erwischt, Mund offen, Augen auf Halbmast. (Entschuldigung, Andreas!) Und natürlich, 40 Sekunden to go. War ja klar!

Nach nicht mal 5 Minuten geht’s wieder zurück in den ersten Stock. Kollektives Aufstöhnen, als Lars lachend fragt, wie’s denn so war… Die anschließende Bildbesprechung über den Beamer bringt einige wunderbare Schnappschüsse zutage, und ist enorm hilfreich, allein schon, weil die Gruppe wirklich motiviert und diskussionsfreudig ist und dabei sehr harmonisch. Die Tipps von Lars sind praxisnah – beispielsweise zeigt er, dass der Serienbildmodus nicht unbedingt die beste Lösung ist, um geschlossene Augen und offene Münder zu verhindern, denn dabei wird das Model durch das wiederholte Aufnahmegeräusch unnötig unter Druck gesetzt. Dann lieber Zeit nehmen, durchatmen, die Augen bewusst schließen lassen, dann öffnen und abdrücken.

 

„Prosecco produziert nur unscharfe Bilder!“

Jetzt bin ich so richtig „drin“. Gut, dass es nach einer kleinen Mittagspause gleich weiter geht mit der Praxis. Wir machen uns auf zum alten Botanischen Garten und bekommen eine neue Aufgabe: Eine Portraitserie von 30 Bildern in ca. 15 Minuten an einer Location. Wir dürfen einen Reflektor verwenden, wenn wir wollen, und teilen uns in Grüppchen von zwei bis drei Leuten auf. Zusammen mit Andreas und Tilman verschwinde ich hinter dem Kunstpavillon. Tilman und Andreas suchen an den Graffiti-Wänden nach spannenden Hintergründen, ich habe die tiefstehende Wintersonne durch das Blätterwerk für mich entdeckt. Zu dritt ist es wirklich praktisch, denn nicht nur kann einer den Reflektor halten (den der Portraitierte auch selbst halten könnte), sondern auch Unterhaltung, Ablenkung und damit Entspannung bieten. So ist die knappe Stunde schnell vorbei und jeder von uns hat (weit mehr als) die geforderten 30 Bilder im Kasten.

 

Damit ist Tag 1 auch schon vorbei und der Kopf schwirrt mit allerhand Informationen, eigenen Erfahrungen und vielen Ideen für neue Shootings. Der Sonntag beginnt dementsprechend gut gelaunt bei einer frischen Ladung Brez’n und Kaffee und der Besprechung der Portraitserie am Vortag. Besprechung heißt natürlich, jede Serie erst einmal im Großformat über den Beamer auf sich wirken zu lassen – schon ziemlich interessant, was die anderen so für Ideen hatten und was sie aus der an sich ja gleichen bzw. ähnlichen Location so herausgeholt haben. Dabei erzählen sowohl Fotograf/in als auch Portraitierte/r, wie sie die Aufgabe empfanden; Lars kommentiert die Serien ebenfalls und gibt praktische Tipps, wie man seine Portraits verbessern kann, sowohl technisch bzw. gestalterisch als auch bildsprachlich.

Im Anschluss holt Lars Kontaktabzüge raus, die er am Vorabend von unseren Fotos gemacht hat. Neue Aufgabe: ausschneiden, ausbreiten und 5 Fotos zu einer Portraitserie zusammenlegen. Gar nicht so leicht..

 

Basteln mit Kontaktabzügen – wirkt Wunder!

 

… aber unheimlich schulend für das eigene fotografische Auge – bemerkenswert, wie unterschiedlich die Fotos bzw. Portraits wirken, wenn sie einzeln oder gruppiert präsentiert werden, oder in dieser oder jener Reihenfolge. Auch sehr gut sichtbar an den zahlreichen Fotobüchern, die Lars im Raum ausgelegt hat. Da wird dann noch einmal viel deutlicher, wie viel Aufwand und Gedanken dahinter stehen.

Meine Serie (man sieht sie oben kurz) sieht schließlich so aus:

(Mit Dank an Andreas!; unbearbeitet)

Mit der Besprechung der Portraitserien geht dann auch Tag 2 so langsam zu Ende und ich habe eine Menge gelernt. Einiges kannte ich schon oder hatte ich vorher schon einmal gehört. Aber Lars hat eine sehr eindrucksvolle Art, Fotos zu beurteilen und zu bewerten, ohne dabei unnötig in Kategorien wie „richtig“ oder „falsch“ zu rutschen. Klar hat er auch einige Dos und Don’ts genannt (Arme/Hände anschneiden, beispielsweise), aber grundsätzlich kam schon rüber, dass man Regeln eben kennen muss, um sie zu brechen – und wenn man sie bewusst bricht, kann das auch sehr gut und ungewöhnlich sein. Raus aus dem Standard eben, einfacher gesagt als getan.

Ich werde nun jedenfalls Lars‘ Workshop-Seite und die von Dinkel regelmäßig beobachten, denn ich werd sicherlich mal wieder dabei sein. Einzelcoachings macht er übrigens auch 🙂

Reblogged von www.photowalkingmunich.de

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